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26.08.2015

Buchempfehlung von Frau Dr. Claudia Wilimzig

Rezension zu Arbeitsgruppe Alte Menschen des Nationalen Suizidpräventionsprogramms: „Suizidprävention im Alter: Folien und Erläuterungen zur Aus-, Fort- und Weiterbildung“. Mabuse Verlag

Suizid ist ein Tabuthema. Ein Thema ist noch tabuisierter und weniger im Fokus: Suizid im Alter. Die wenigsten reden darüber. Ab und zu machen Prominente Schlagzeilen – Gunter Sachs († 78), der Unternehmer Adolf Merckle († 74) oder Metro-Gründer Otto Beisheim († 89). Dabei sind die Zahlen dramatisch. Die Zahl der Suizide in Deutschland, die als solche erkannt werden, liegt bei ca. 10 000. Ca. 40% davon sind älter als 60 Jahre. Die Dunkelziffer ist wahrscheinlich bei Älteren sogar größer als bei Jüngeren. Verweigerung von Nahrungsaufnahme, falsche Medikamenteneinnahme (bewusste Nicht-Einnahme oder Überdosierung) kann im Tod enden, ohne dass die suizidale Absicht erkannt wird. Zudem liegt bei älteren Menschen die Annahme einer natürlichen Todesursache näher als bei Jüngeren.

Trotz dieser Problematik wird kaum darüber geredet. Psychologen reden manchmal auch davon, dass das Interesse in der Öffentlichkeit für Suizid im Alter geringer ist als bei jungen Menschen, weil viele dazu neigen, Suizid bei jungen Menschen als „tragischer“ zu betrachten. „Er hatte sein Leben noch vor sich“ versus „Er hat sein Leben gelebt“. Eine ziemlich zynische Einstellung, wenn man bedenkt, dass in den meisten Fällen hinter einem Suizid ein sehr gequälter Mensch steckt und nicht jemand, der freudigen Herzens in einen „Freitod“ geht.

Umso größere Bedeutung kommt der Suizidprävention zu. Die WHO fordert immer wieder diesbezügliche Maßnahmen von den nationalen Regierungen an. Historisch gesehen steckt das Thema noch in den Kinderschuhen. Die weltweit erste Telefonseelsorge wurde 1953 von dem anglikanischen Geistlichen Chad Varah in London gegründet, nachdem zwei vorangehende Versuche von Harry Warren in New York (1895) und Pfarrer West in London (1953) fehlgeschlagen waren.

Inzwischen gibt es zwar eine Anzahl an Hilfsangeboten – aber gerade ältere, vielleicht gar nicht mehr mobile Menschen wissen oft nicht, wohin sie sich wenden können. Oder haben Scheu, in Kontakt zu treten. Ein Beispiel: obwohl ca. 40% der Suizidopfer über 60% sind, lag 2014 die Anzahl der Senioren, die in der Münchner Arche (einer ambulanten Beratungsstelle bei Suizidgefährung oder nach Suizidversuchen) Hilfe suchten, bei nur 11%. Eine Zahl die alarmiert.

Pflegepersonal, Ärzte und Angehörige, die z. T. im täglichen Kontakt sind, sind meist mit der Situation überfordert. Gerade das Personal ist meist unzureichend geschult im Erkennen von suizidalen Gedanken und von Anzeichen suizidaler Absichten. Selbst bei 
Pädagogen und gelernten Trainern mag es gelingen, aus diesen theoretischen Büchern sinnvollen Unterricht zu gestalten. Aber, wie die Arbeitsgruppe Alte Menschen des Nationalen Suizidpräventionsprogramms betont, Vorbeugung des Suizids kann nur mit großen Teilen der Gesellschaft gelingen. D. h. das Thema muss sich für viele erschließen. Wie kann also die Lehre gestaltet werden, wenn die verfügbare Information sich nicht leicht erschließt und weitervermitteln lässt? Diese Lücke schließt das Informationsmaterial der Arbeitsgruppe Alte Menschen des Nationalen Suizidpräventionsprogramms „Suizidprävention im Alter: Folien und Erläuterungen zur Aus-, Fort- und Weiterbildung“. Es richtet sich generell an alle Menschen und soll dazu dienen, mehr Menschen für dieses Thema zu sensibilisieren. Für alle, die durch Vorträge, Seminare und andere Formen der Aufklärung über Suizidgefährdung aufklären und natürlich in 1. Linie alle, die alte Menschen betreuen oder in anderer Form mit ihnen Kontakt haben, stellt diese Foliensammlung eine Ressource zum Lernen und Lehren zur Verfügung.
Sie besteht aus 21 Folien im PowerPoint-Format für einen Basis-Vortrag (45-90 min), der mit insgesamt 52 Folien zu einem erweiterten Vortrag erweitert werden kann (90-180 min). Zu jeder Folie werden zusätzliche wissenschaftlich fundierte Informationen geliefert.
Adressiert werden
  • Häufigkeit
  • Ursachen von Alterssuizid. Dazu zählen körperliche Ursachen (Krankheiten, Gebrechen, Verlust der Mobilität, Schmerzen) und psychische Ursachen (das Gefühl „Das hat ja eh keinen Sinn mehr“, zunehmende Isolation)
  • Früherkennung, Warnsignale wahrnehmen. Oft wird befürchtet, dass jemanden auf suizidale Gedanken anzusprechen, ihn erst „auf dumme Gedanken bringt“. Um das klarzustellen, das ist ein weit verbreiteter Irrtum!
  • Prävention
  • Möglichkeiten zur Intervention in Krisensituationen
  • Ethische, religiöse und juristische Aspekte
  • Zusätzlich werden Adressen von Anlaufstellen und Informatiomem zu weiterführender Literatur geliefert.
 
Um einen Einblick zu geben in die Hilfsmöglichkeiten – hierzu zählen:
  • Psychotherapiemethoden. Entgegen skeptischer Meinungen kann erfolgreiche Psychotherapie auch im hohen Alter erfolgen. Ggf. muss die Form der Psychotherapie angepasst werden.
  • Psychopharmaka
  • Ergänzende und unterstützende Verfahren, z. B. körperliche Bewegung, Entspannungsverfahren oder Musik- und Kunsttherapie. Diese Verfahren zielen u. a. natürlich auch darauf, körperliches Leid zu lindern (Bewegungstherapie, Entspannungsverfahren) und dem Leben wieder einen Sinn zu geben bzw. Spaß an Beschäftigungen zu finden (Kunsttherapie). Beides (körperliches Leid und kein Sinn mehr spüren) sind typische Probleme im hohen Alter und Risikofaktoren für Suizid. 
Als Fazit: Für jeden, der bereit ist für die Thematik (nicht nur Suizid im Alter, sondern Suizid allgemein) sensibilisiert zu werden (und dazu sollten wir zumindest bereit sein), ist dies eine Buch sehr interessant.
 
Achtung! Dieser Beitrag bezieht sich auf Suizid aus Verzweiflung, aus „Nicht mehr weiterwissen“, nicht auf Sterbehilfe. Sterbehilfe ist ein gesondertes Thema und sollte nicht mit Suizid vermischt werden.
 
AG Alte Menschen im Nat. Suizidpräventionsprogramm f. Deutschland
Suizidprävention im Alter
Folien und Erläuterungen zur Aus-, Fort- und Weiterbildung, mit CD-Rom
Mabuse-Verlag . Aufl. 2011, 61 S., 19,90 Euro
ISBN 978-3-86321-003-8
http://www.mabuse-verlag.de/anr_9783863210038
 
Kurzbeschreibung:
Dieses Buch trägt wissenschaftlich fundiert und praxisnah zur Aufklärung über den Suizid bei alten Menschen bei. Vermittelt werden Kenntnisse über Häufigkeit und Ursachen des Alterssuizids, über Möglichkeiten der Früherkennung, der Prävention und konkreten Hilfe in Krisensituationen. Dem Buch ist eine CD-ROM mit Vortragsfolien für die Aus-, Fort- und Weiterbildung beigefügt.



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